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Die Kontinentalsperre am Rhein

Einleitung: Ein Wirtschaftskrieg mitten durch das Rheinland

Am 21. November 1806 erklärte Napoleon in Berlin die Britischen Inseln für blockiert. Was er nicht mit seiner Flotte erreichen konnte – die hatte er ein Jahr zuvor bei Trafalgar verloren –, sollte der Handel leisten: Kein Kontinentaleuropa mehr für englische Waren, kein Absatz mehr für englische Fabriken, bis der „Krämerstaat“ England in die Knie ging.

Nirgendwo in Deutschland war diese Kontinentalsperre so greifbar wie am Rhein. Der Strom war zugleich Staatsgrenze des französischen Kaiserreichs, Zollgrenze und wichtigste Handelsstraße Mitteleuropas. Links lagen die vier rheinischen Departements, seit 1801 Teil Frankreichs; rechts Rheinbundstaaten wie das Großherzogtum Berg oder Nassau. Zwischen Bonn und Beuel, Deutz und Köln, Mainz und Kastel verlief eine Linie, an der Zöllner, Schmuggler, Kaufleute und Fabrikanten ihr Glück machten oder verloren. „In Deutschland“, schreibt ein französischer Historiker, „entschied sich Erfolg oder Misserfolg der Kontinentalsperre“.

Dieser Artikel verfolgt, wie die Sperre am Rhein funktionierte, wie sie umgangen wurde, wer an ihr verdiente und was von ihr blieb – bis hin zur Frage, ob sie den Grundstein für die Industrialisierung des Rheinlands legte.

Vorgeschichte: Der Rhein wird Zollgrenze

Die Kontinentalsperre fiel nicht vom Himmel. Frankreich führte schon seit der Revolution einen Handelskrieg gegen England: 1793 und endgültig am 31. Oktober 1796 (10. Brumaire V) verbot die Republik englische Waren. Das Rheinland wurde früh in dieses System hineingezogen.

Die Zolllinie von 1798

Seit dem Herbst 1797 waren die linksrheinischen Gebiete faktisch französisch. Im Juli 1798 führte der Regierungskommissar Rudler die französische Zollgesetzgebung ein – acht Jahre vor der Kontinentalsperre. Damit verschob sich die französische Zollgrenze an den Rhein. Was bisher eine Binnenwasserstraße zwischen Kurköln, Kurtrier, Jülich und Berg gewesen war, wurde zur bewachten Außengrenze mit Zollposten, Patrouillen und Pass-Kontrollen. Für Bonn bedeutete das, dass Beuel und die Orte auf der Schaal Sick plötzlich „Ausland“ waren.

Zugleich öffnete die Annexion den linksrheinischen Gewerben einen riesigen Binnenmarkt. Zwischen Antwerpen und Marseille zirkulierten ihre Waren zollfrei und geschützt vor ausländischer Konkurrenz. Umgekehrt verloren die rechtsrheinischen Fabriken in Elberfeld, Solingen oder Remscheid ihren wichtigsten Absatzmarkt jenseits des Flusses.

Köln und Mainz als Tore

Die Franzosen konzentrierten den erlaubten Handel auf wenige Plätze. Am 5. Februar 1803 erhielten Köln und Mainz ein „entrepôt réel“, ein Freilager, in dem Waren unverzollt umgeschlagen werden konnten. Baumwollgarn durfte zwischen Oktober 1803 und Dezember 1809 nur über Köln und Mainz eingeführt werden; Rohtabak über Mook, Uerdingen, Köln, Koblenz und Mainz. Köln, das seine alte Stapelstellung seit dem Mittelalter verteidigt hatte, wurde so zum wichtigsten Umschlagplatz des Rheinhandels unter französischer Herrschaft.

Die Rheinschifffahrt

Auch die Schifffahrt wurde neu geordnet. Bis dahin hatten Fürsten und Städte entlang des Stroms Dutzende eigener Rheinzölle erhoben. Der Oktroi-Vertrag, den das französische Kaiserreich und das Heilige Römische Reich 1804 auf Grundlage des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 schlossen, schaffte sie ab und setzte an ihre Stelle eine einheitliche Abgabe, den Rheinschifffahrts-Oktroi (vom französischen octroi, Bewilligung). Erhoben wurde er von einer gemeinsamen Verwaltung mit Sitz in Mainz – der ersten internationalen Behörde am Rhein. Die Einnahmen sollten in die Schiffbarkeit des Stroms und den Unterhalt der Leinpfade fließen; zugleich schlichtete die Verwaltung Streitfälle.

Der Oktroi war kein Grenzzoll, sondern eine Schifffahrtsgebühr, und er galt unabhängig von der französischen Zolllinie am Ufer. Für die Kaufleute war er ein großer Fortschritt. Sein eigentliches Erbe trat der Wiener Kongress an: Die Schlussakte vom 24. März 1815 schuf die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, die die Mainzer Oktroi-Verwaltung übernahm und 1831 die Mainzer Rheinschifffahrtsakte aushandelte. Die Kommission besteht bis heute und gilt als älteste internationale Organisation der Welt.

Die Dekrete: Von Berlin bis Fontainebleau

Die Kontinentalsperre war kein einzelnes Gesetz, sondern ein System von Dekreten, das Napoleon über vier Jahre immer weiter verschärfte.

Das Berliner Dekret (21. November 1806)

Wenige Wochen nach dem Sieg über Preußen bei Jena und Auerstedt unterzeichnete Napoleon im eroberten Berlin das Dekret, das der Sperre ihren Namen gab. Die Britischen Inseln galten als blockiert; jeder Handel und jede Korrespondenz mit ihnen war verboten, englische Waren auf dem Kontinent durften beschlagnahmt werden, britische Untertanen wurden zu Kriegsgefangenen erklärt. Die Sperre galt in Frankreich und in allen verbündeten und besetzten Staaten.

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Englands Antwort

London hatte schon im Mai 1806 die Küste von Brest bis zur Elbe für blockiert erklärt. Nach dem Berliner Dekret verschärften die Orders in Council vom Januar und vom 11. November 1807 den Gegenkurs: Jeder Handel mit Frankreich und seinen Verbündeten war verboten, und neutrale Schiffe mussten zuerst einen britisch kontrollierten Hafen anlaufen, sonst durften sie aufgebracht werden. Ladungen aus Frankreich und seinen Verbündeten belegte Großbritannien mit einem Zoll von 25 Prozent.

Zwischen beiden Sperren wurden die Neutralen zerrieben. Die Vereinigten Staaten antworteten mit dem Embargo Act von 1807, der vor allem die eigenen Kaufleute traf; der Streit um die Orders in Council führte schließlich zum britisch-amerikanischen Krieg von 1812. Großbritannien selbst verlor zwar einen großen Teil seines Kontinentalhandels – die Exporte auf den Kontinent lagen zeitweise 25 bis 55 Prozent unter dem Niveau vor 1806 –, glich das aber durch den Handel mit Nord- und Südamerika und durch den Schmuggel weitgehend aus. Erst 1810 bis 1812 geriet die britische Wirtschaft in eine echte Krise mit Arbeitslosigkeit, Teuerung und den Maschinenstürmen der Ludditen. Im Juni 1812 hob London die Orders in Council auf.

Die Mailänder Dekrete (1807)

Im November und Dezember 1807 zog Napoleon die Schraube in Mailand an. Jedes Schiff, gleich welcher Flagge, das sich von der britischen Marine durchsuchen ließ oder einen britischen Hafen angelaufen hatte, galt nun als englisch und durfte beschlagnahmt werden. Damit traf die Sperre auch die neutralen Amerikaner, Dänen und Hanseaten, über die bis dahin viel Handel gelaufen war.

Lizenzen und der Trianon-Tarif (1809/1810)

Ab 1809 brach Napoleon sein eigenes System auf. Gegen teure Lizenzen durften Kaufleute bestimmte Kolonialwaren und Rohstoffe einführen – niemals aber englische Fertigwaren. Das Dekret von Trianon vom 5. August 1810 legalisierte dann die Einfuhr von Kolonialwaren gegen extrem hohe Zölle von bis zu 50 Prozent des Wertes. Der Zoll auf Zucker und Kaffee, 1806 noch 150 Francs je Zentner, stieg 1810 auf 400 Francs; Rohbaumwolle kostete seit Februar 1810 120 Francs Zoll je Zentner. Die Sperre wurde damit auch zur Einnahmequelle der kaiserlichen Kasse.

Das Dekret von Fontainebleau (Oktober 1810)

Am 18. Oktober 1810 folgte das härteste Instrument: Alle englischen Fertigwaren, die in Frankreich und den abhängigen Staaten gefunden wurden, waren öffentlich zu verbrennen. Spezialgerichte sollten Schmuggler aburteilen. Im Herbst und Winter 1810 loderten Scheiterhaufen von Neuenburg bis Hamburg – auch am Rhein.

Der Zollkordon wandert nach Norden

Ein Zollkordon – vom französischen cordon, Schnur oder Absperrkette – war eine lückenlos bewachte Zollgrenze: Zollämter an Straßen, Brücken, Fähren und Häfen, wo Waren angemeldet und verzollt werden mussten, dazwischen Wachposten und Patrouillen, oft in einem mehrere Kilometer tiefen Grenzstreifen, besetzt mit uniformierten und bewaffneten Douaniers. Wer die Grenze abseits eines Zollamts überquerte, machte sich verdächtig; Waren ohne Papiere konnten im Grenzstreifen beschlagnahmt werden. Am Rhein bildete der Strom selbst diesen Kordon. Um die Lücken an der Nordseeküste zu schließen, zogen die Franzosen im Juli 1809 eine neue Zolllinie von Rees bis Bremen, quer durch das Großherzogtum Berg. Im Januar 1811 annektierte Napoleon die Hansestädte und die Nordseeküste bis Lübeck. Der Rhein war nun nicht mehr die einzige Front des Wirtschaftskriegs – aber er blieb die längste.

Schmuggel: Das große Geschäft an der Grenze

Jede Sperre schafft ihren Schwarzmarkt. Am Rhein, wo eine Wasserstraße von mehreren hundert Kilometern zwischen zwei Zollgebieten lag, war der Schmuggel kein Randphänomen, sondern ein Wirtschaftszweig.

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Was geschmuggelt wurde

Begehrt waren vor allem Kolonialwaren wie Kaffee, Zucker, Tee, Tabak und Rohbaumwolle sowie englische Baumwollstoffe und Garne, die billiger und besser waren als alles, was der Kontinent herstellte. Deutschland wurde in diesen Jahren zum Hauptumschlagplatz englischer Schmuggelware; verbotene Waren fanden auf Umwegen sogar in Paris Absatz. Je höher die Zölle stiegen, desto lohnender wurde das Geschäft: 1812 kostete Louisiana-Baumwolle auf dem linken Rheinufer nach Verzollung rund 14 Francs je Kilo, in der Schweiz dagegen nur 6 Francs.

Wie geschmuggelt wurde

Die Methoden reichten vom Rucksack bis zur Versicherungspolice. Kleine Schmuggler trugen ihre Last nachts über die Grenze oder setzten mit Nachen über den Rhein – kleinen, flachen Holzbooten ohne Kiel, die gerudert oder mit einer langen Stange gestakt wurden. Fischer und Fährleute benutzten sie täglich; für Schmuggler waren sie ideal, weil sie unauffällig und leise waren und dank ihres geringen Tiefgangs nachts an jeder Stelle des Ufers anlegen konnten, abseits der bewachten Fähren und Zollposten. Im Volksmund hießen sie „Schwärzer“, weil sie Waren „einschwärzten“ und sich der Legende nach die Gesichter schwärzten. Meist waren es mittellose Männer, die im Auftrag ortskundiger Helfer und etablierter Kaufleute arbeiteten. Große Handelshäuser arbeiteten professionell: Gegen eine Prämie von mindestens 2,5 Prozent des Warenwerts konnte man sich gegen Beschlagnahme versichern. Ein normannischer Schmuggler hatte zwischen 1801 und 1808 bei 87 Prozent seiner Versuche Erfolg.

Auch die feinen Adressen machten mit. Der Kölner Bankier Abraham Schaaffhausen musste eine Strafe von 100.000 Francs zahlen. In Frankfurt empfing das Haus Rothschild seit 1798 von Nathan Rothschild in London Stoffe, Tabak und Zucker; zwischen 1807 und 1811 geriet es fünfmal mit der französischen Polizei aneinander und wurde jedes Mal vom Fürstprimas Dalberg geschützt.

Die Zöllner

Gegen die Schmuggler standen die Douaniers, die französischen Zollbeamten, die entlang des Rheins in Posten und Patrouillen Dienst taten. Das Großherzogtum Berg erhielt 1809 eine eigene Zollverwaltung nach französischem Muster. Wo die Zöllner allein nicht weiterkamen, half das Militär: In Frankfurt unternahmen Douaniers 1810 mit Unterstützung der Armee einen regelrechten Handstreich gegen die Kaufleute. Seit dem Dekret von Fontainebleau sollten Sondergerichte die Schmuggler aburteilen.

Ganz so wirksam, wie die Dekrete versprachen, war die Überwachung aber nicht. Lizenzen und Schmuggel durchbrachen die Sperre immer wieder, und Bestechung war verbreitet: Die schlecht bezahlten Zollbeamten galten schon den Zeitgenossen als käuflich. Wie das in der Praxis aussah, zeigte sich bei den Verbrennungen in Frankfurt, wo die Händler die Beamten bestochen und die englischen Waren vorher größtenteils ausgetauscht hatten (siehe unten).

Die Verbitterung über Zölle, Teuerung und Konskription entlud sich im Januar 1813 im Großherzogtum Berg im Aufstand der „Knüppelrussen“. Er begann in Ronsdorf und griff auf Solingen, Elberfeld, Hagen und weitere Orte über, bevor Truppen ihn niederschlugen.

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Bonn und Beuel an der Grenze


Für Bonn war der Rhein seit 1798 Zollgrenze und seit 1801 Staatsgrenze. Auf der anderen Seite lagen Beuel, Vilich und die Orte der Schaal Sick, nach 1806 Teil des Großherzogtums Berg. Die Gierponte, die Fähre zwischen beiden Ufern, wurde zum Kontrollpunkt. Wie überall am Strom dürften auch hier Fischer, Fährleute und Schiffer ihre Ortskenntnis genutzt haben, um Kaffee und Zucker an den Zöllnern vorbei zu bringen – das Siebengebirge mit seinen Waldwegen bot dahinter reichlich Deckung.


Die Hintertüren: Holland, Niederrhein, Helgoland


Der Rhein endet nicht an der französischen Grenze. Er fließt durch die Niederlande in die Nordsee – und genau dort, an seiner Mündung und an der Küste davor, lagen die größten Löcher der Kontinentalsperre.


Die Sperre am Rhein hatte ihre Lücken im NordenZollgrenzen, Schmuggelwege und Scheiterhaufen 1806–1813, Grenzen angenähertNordseeZuiderzeeKönigreich Holland1806–1810, dann annektiertRoërRhin-et-MoselleSarreMont-TonnerreFranzösisches Kaiserreichlinkes Rheinufer seit 1801Großherzogtum BergHauptstadt DüsseldorfNassauGroßherzogtum FrankfurtKönigreich WestphalenHolstein (dänisch)RheinWaalMaasMoselMainRuhrSiegLippeEmsWeserElbeHelgolandbritisch ab 1807AmsterdamRotterdamAntwerpenNimwegenArnheimEmmerichReesWeselKrefeldGladbachDüsseldorfEssenElberfeldKölnAachenStolbergBonnBeuelKoblenzMainzFrankfurtTrierMünsterBremenHamburgLübeckEmdenZollkordon 1809Reichsgrenze ab 1811französische Zollgrenze (Rhein ab 1798, Rees–Bremen ab 1809)neue Reichsgrenze nach der Annexion der Nordseeküste 1811Grenze des Königreichs Holland bis 1810Hauptwege des SchmuggelsVerbrennung englischer Waren 1810Roërfranzösische Departements am RheinKüsten, Flüsse und Orte nach Koordinaten; Grenzverläufe und Schmuggelwege schematisch
Zollgrenzen, Schmuggelwege und Scheiterhaufen am Rhein 1806–1813. Küsten, Flüsse und Orte nach Koordinaten, Grenzen und Wege schematisch.

Die Zollgrenze folgte dem Rhein von Mainz bis Rees und ab 1809 einer Linie nach Bremen; die großen Schmuggelwege führten von Helgoland über Elbe und Weser ins Binnenland und von Holland den Rhein hinauf.


Das Königreich Holland


Seit 1806 regierte Napoleons Bruder Louis als König in Holland. Das Land lebte vom Handel, und die Sperre traf seine Wirtschaft schwer. Louis stellte sich zunehmend gegen seinen Bruder, und über die holländischen Häfen und Wasserwege gelangten englische Waren weiter rheinaufwärts. Napoleon reagierte Schritt für Schritt: Im März 1810 schlug er die südlichen Gebiete bis zu Rhein und Waal als Departements Bouches-de-l'Escaut und Bouches-du-Rhin direkt an Frankreich; Marschall Oudinot rückte mit 20.000 Soldaten ein, um den Schmuggel zu unterbinden. Als Napoleon mit der Besetzung Amsterdams drohte, dankte Louis am 1. Juli 1810 ab, und am 9. Juli 1810 annektierte Frankreich das ganze Königreich. Erst als kaiserliche Küstenwachen, Zöllner und Polizei dort frei arbeiten konnten, wurde der Schmuggel nach dem Urteil des Historikers Simon Schama endlich eingedämmt.


Der Niederrhein


Am Niederrhein trafen bis 1810 drei Zollgebiete aufeinander: das französische Roër-Departement links des Stroms, das Großherzogtum Berg rechts davon und das Königreich Holland im Norden. Die Festungsstadt Wesel, seit 1806 bergisch, wurde im Januar 1808 direkt an Frankreich angeschlossen und mit der Zitadelle Napoleon bei Büderich und einer Inselfestung im Rhein gesichert. Damit kontrollierte Frankreich einen der wichtigsten Rheinübergänge zwischen Holland und dem Ruhrgebiet. Von Rees aus zog sich ab 1809 der neue Zollkordon nach Bremen.


Helgoland: Drehscheibe in der Nordsee


Im September 1807 besetzten die Briten die damals dänische Insel Helgoland. Sie wurde zur wichtigsten Drehscheibe für englische Waren nach Norddeutschland: Von hier aus konnte London den Handel mit den Nordseehäfen kontrollieren und den Schmuggel organisieren. Über Elbe, Weser und Ems und weiter über Land gelangten die Waren bis an den Rhein und nach Frankfurt. Nach dem Russlandfeldzug übernahm Helgoland diese Rolle erneut.


Zum Vergleich: Die Hansestädte


Wie durchlässig das System war, zeigt der Blick nach Norden. In Hamburg und Lübeck, wo französische Zöllner seit 1807 an der Elbe standen, ließ Marschall Brune die Aufsicht von unerfahrenen Matrosen und Soldaten führen; zeitweise war die Zolllinie ganz aufgelöst. Brune wurde im Juli 1807 abberufen, seinem Nachfolger Bernadotte warf man Bereicherung und Unterschlagung bei Beschlagnahmungen in Lübeck vor. Erst mit der Annexion der Nordseeküste 1811 kontrollierte Frankreich die Mündungen von Rhein, Ems, Weser und Elbe direkt – fünf Jahre nach dem Berliner Dekret und nur ein Jahr vor dem Russlandfeldzug.


Ersatzstoffe und Alltag: Muckefuck und Rübenzucker


Für die meisten Menschen am Rhein bedeutete die Kontinentalsperre vor allem eines: Kaffee und Zucker wurden unbezahlbar. Schon 1804, noch vor dem Berliner Dekret, kostete ein Zuckerhut in Frankreich, der vor der Revolution rund 3 Francs gekostet hatte, über 30 Francs. Mit den Zöllen von 1810 stieg der Preis weiter.


Zichorie statt Bohne


Kaffee war im 18. Jahrhundert auch am Rhein zum Volksgetränk geworden. Als Ersatz griff man auf ein Getränk zurück, das Friedrich II. von Preußen schon nach dem Siebenjährigen Krieg gefördert hatte, um Devisen zu sparen: Kaffee aus gerösteter Zichorienwurzel. Um 1790 gab es in Preußen bereits 19 Fabriken für diesen „Preußenkaffee“. Unter der Kontinentalsperre erlebte er einen Boom, ebenso Ersatz aus gerösteter Gerste, Roggen, Eicheln oder Zuckerrüben.


Die Franzosenzeit hat dem Ersatzkaffee wahrscheinlich auch seinen bis heute gebräuchlichen Spitznamen hinterlassen. „Muckefuck“ wird meist vom französischen mocca faux, falscher Mokka, abgeleitet; eine andere Deutung führt es auf die rheinischen Mundartwörter Mucken für braunen Holzmulm und fuck für faul zurück. Beide Erklärungen führen ins Rheinland, und beide sind umstritten.

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Die Schlacht um den Zucker

Beim Zucker setzte Napoleon auf die Wissenschaft. Der Berliner Chemiker Franz Carl Achard hatte in Schlesien gezeigt, dass man aus Rüben Zucker gewinnen kann. Ende März 1811 ordnete ein kaiserliches Dekret den Anbau von Zuckerrüben in großem Stil an; staatliche Kredite von einer Million Francs, Steuerbefreiungen und Lizenzen sollten Unternehmer anlocken. Am 2. Januar 1812 besuchte Napoleon die Fabrik des Bankiers Benjamin Delessert in Passy, die als erste weißen Rübenzucker in guter Qualität herstellte, und heftete ihm sein eigenes Kreuz der Ehrenlegion an.

Auch das Rheinland folgte. Hier hatten seit 1802 in Köln, Krefeld und Uerdingen Raffinerien für Rohrzucker gearbeitet, die 1807 unter Blockade und Zöllen aufgeben mussten. An ihre Stelle traten Rübenzuckerfabriken: 1813 gab es in den rheinischen Departements 42 davon. Keine überlebte das Ende der Franzosenzeit; erst 1823 entstand wieder eine Raffinerie, und erst mit dem Zollverein in den 1830er Jahren blühte die Zuckerindustrie am Rhein auf. Die Saat war trotzdem gelegt: Die Zuckerrübe, heute ein Wahrzeichen der Landwirtschaft in der Kölner Bucht und am Niederrhein, ist ein Erbe von Napoleons Wirtschaftskrieg.

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Tabak

Ein Sonderfall war der Tabak. Weil vor allem fertig verarbeiteter Tabak geschmuggelt wurde, litten die rheinischen Tabakfabriken unter dem Schwarzhandel. 1810 führte Napoleon das staatliche Tabakmonopol ein; in Köln nahm 1811 im Blankenheimer Hof an der Schildergasse eine kaiserliche Tabakmanufaktur die Arbeit auf. Sie ersetzte die privaten Tabakfabriken; unter ihren 517 Beschäftigten waren elf ehemalige Fabrikanten, die nun als Angestellte des Staates arbeiteten. Mit dem Ende der Franzosenzeit fiel 1814 auch das Monopol. Der Tabakfabrikant Heinrich Joseph DuMont pachtete das Gebäude bis 1816, danach diente es als Offizierskasino und ab 1848 als Kaserne; 1913 wurde es für die Verbreiterung der Schildergasse abgerissen. Das Kölner Tabakgroßgewerbe erholte sich von dem Einschnitt nie ganz, doch alte Familienfirmen wie DuMont, Foveaux und Breuer bestanden bis nach 1900 fort.

Gewinner und Verlierer: Zwei Ufer, zwei Schicksale

Die Kontinentalsperre wirkte am Rhein wie ein riesiges Experiment. Auf beiden Seiten des Flusses gab es ähnliche Gewerbe, aber völlig verschiedene Bedingungen – und entsprechend verschiedene Ergebnisse.

Das linke Ufer: Geschützt im Binnenmarkt

Die linksrheinischen Fabrikanten gehörten zu den Gewinnern. Ihnen stand der ganze französische Markt offen, geschützt vor englischer Konkurrenz, die bis dahin den Kontinent mit billigen Baumwollwaren überschwemmt hatte.

Am deutlichsten zeigte sich das in Aachen. Die Zahl der bedeutenden Tuchfabriken stieg von 9 im Jahr 1800 auf 16 im Jahr 1804 und 93 im Jahr 1812. 1811 arbeiteten in den Arrondissements Aachen und Krefeld über 11.500 Menschen in 261 Wollbetrieben; sie produzierten für 15,5 Millionen Francs, mehr als die Hälfte davon für den Export. Die Brüder Cockerill stellten in Aachen und Burtscheid ab 1807 Spinnmaschinen nach englischem Vorbild auf, 1809 eine Schermaschine, 1812 mechanische Webstühle. Die Nadelfabrik von Jecker in Aachen erreichte drei Millionen Stecknadeln am Tag; die Aachener Fabriken lieferten am Ende rund die Hälfte der europäischen Produktion.

In Köln entstand eine Baumwollindustrie praktisch aus dem Nichts. 1811 zählte die Stadt 29 Betriebe mit 1.675 Arbeitern; das investierte Kapital wuchs von 150.000 Francs im Jahr 1800 auf drei Millionen 1810. Vor 1800 hatten in Köln sechs Kaufleute ein Vermögen von mehr als 150.000 Francs, 1812 erreichten einzelne Häuser zwei Millionen. Zwischen 1800 und 1813 wurden im Rheinland 46 Baumwollspinnereien gegründet, 38 davon im Roër-Departement. Auch die Stolberger Messingwerke, die Bleigruben von Mechernich und die Kohle um Eschweiler profitierten. Am Niederrhein um Gladbach und Rheydt erlebte die Leinenweberei hinter der Zollgrenze einen Aufschwung, weil die westfälische und schlesische Konkurrenz ausgesperrt war – sie kehrte 1813 zurück. 1812 war das Roër-Departement mit Köln, Aachen und Krefeld das führende Industriedepartement des ganzen Kaiserreichs; die vier rheinischen Departements zählten 2.550 größere Betriebe mit 65.000 Arbeitern.

In Bonn blieb die Industrie bescheiden, doch auch hier zeigte sich der Wandel. Ein Ökonom schrieb 1879 rückblickend, „nur künstlich in Folge der Kontinentalsperre“ seien damals „allenthalben in Bonn und Köln“ zahlreiche Baumwollspinnereien emporgeschossen, denen es aber an Kapital und Maschinen fehlte und die nach 1813 rasch wieder verschwanden. Daneben lief 1808 in der Stadt eine der ersten Dampfmaschinen der Region, ab 1810 wurde hier Schwefelsäure aus sizilianischem Schwefel hergestellt, und eine Alaunfabrik nutzte Braunkohle aus der Umgebung.

Nicht alle linksrheinischen Gewerbe blühten. Die Krefelder Seidenindustrie der Familie von der Leyen, die 1788 mit 724 Webstühlen über 3.000 Menschen beschäftigt hatte, verdoppelte zwar die Zahl der Betriebe, steigerte aber die Produktion nicht. Ihr fehlte italienische Rohseide, und 1811 verlor sie den amerikanischen und den russischen Markt. Als Zar Alexander Ende 1810 den russischen Markt für französische Waren schloss, begrüßten viele Fabrikanten im Roër-Departement deshalb sogar den Russlandfeldzug – sie hofften, dass er den Markt wieder öffnen würde.

Das rechte Ufer: Abgeschnitten

Auf der anderen Seite des Flusses sah es anders aus. Das Großherzogtum Berg mit seinen Textilzentren Elberfeld und Barmen, wo rund 50.000 Menschen in der Textilherstellung arbeiteten, und den Klingen- und Eisenwerken von Solingen und Remscheid war einer der am stärksten gewerblich geprägten Landstriche Deutschlands – und genau das wurde ihm zum Verhängnis. Obwohl Berg ein napoleonischer Satellitenstaat war, behandelte Frankreich bergische Waren an der Rheingrenze wie ausländische; die Proteste der bergischen Fabrikanten, sie würden wie Engländer behandelt, verhallten. Die Zollschranken schnitten Berg praktisch vom französischen, italienischen und holländischen Markt ab; die Exporte fielen von 55 Millionen Francs 1807 auf 38 Millionen 1812. Die bergischen Unternehmer baten sogar um den vollständigen Anschluss an Frankreich, doch Paris lehnte ab – aus Furcht vor der bergischen Konkurrenz. 1809 geriet die bergische Textilindustrie in eine schwere Krise.

Viele bergische Unternehmer zogen daraus die Konsequenz und gingen über den Fluss: Von 38 Anträgen auf Ansiedlung in Köln zwischen 1810 und 1812 kam rund die Hälfte aus dem Großherzogtum Berg. Einen Gewinner gab es aber auch rechts des Rheins: die Ruhrkohle, deren Preise unter der Sperre stiegen. Und in Essen gründete Friedrich Krupp 1811 eine Gussstahlfabrik – möglich, weil die Sperre den bis dahin überlegenen englischen Gussstahl vom Markt fernhielt. Aus diesem Kind der Kontinentalsperre wurde im 19. Jahrhundert der größte Industriekonzern Deutschlands.

Die Handelsstädte

Verlierer waren vor allem die Häfen und Messeplätze, die vom Fernhandel lebten. Frankfurt war seit dem Mittelalter Messestadt: Schon 1240 stellte Kaiser Friedrich II. die Besucher der Herbstmesse unter seinen Schutz, 1330 kam die Fastenmesse im Frühjahr hinzu, und zweimal im Jahr trafen sich hier Kaufleute aus ganz Europa. Gerade diese Warenmessen machten die Stadt unter der Kontinentalsperre zur Drehscheibe des Schmuggels – und zum Ziel französischer Strafaktionen. Frankfurt wurde als Messestadt dauerhaft geschwächt, während Leipzig seine Bedeutung behielt. Profiteure waren Schmuggler, Spekulanten und Kaufleute mit guten Verbindungen zu den Behörden.

Scheiterhaufen, Zusammenbruch und Erbe

Die Verbrennungen von 1810

Nach dem Dekret von Fontainebleau brannten im Herbst 1810 auch am Rhein die Scheiterhaufen – in Köln, in Stolberg und in Aachen. Das berühmteste Schauspiel fand im November 1810 in Frankfurt statt, dem großen Umschlagplatz des Schmuggels. Im Oktober lagerten dort Kolonialwaren im Wert von 16 Millionen Gulden, die nachträglich verzollt, und englische Waren im Wert von 800.000 Gulden, die vernichtet werden sollten. Französische Soldaten verbrannten sie auf dem Fischerfeld vor der Stadt.

Der Maler Johann Carl Wilck hielt die Szene in zwei Bildern fest. Das erste zeigt die Soldaten, die Stoffe ins Feuer werfen; das zweite den Abzug der Truppen und eine Menge, die versucht, Stoffe aus den Flammen zu retten, wobei es zu Handgreiflichkeiten kommt. Pikant: Die Händler hatten Beamte bestochen und den größten Teil der englischen Waren vorher gegen minderwertige Güter ausgetauscht. Die Bevölkerung empfand die Vernichtung wertvoller Waren in einer Zeit des Mangels als Frevel; die Verbrennungen trugen viel zur wachsenden Abneigung gegen die Franzosen bei.

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Der Zusammenbruch (1812–1814)

Nach der Katastrophe in Russland begann das System zu zerfallen. Helgoland, seit 1807 britisch, wurde wieder zur Drehscheibe für englische Waren, und nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 hielt nichts mehr den Zustrom auf. Im Januar 1814 überquerten die Alliierten den Rhein; die Zollgrenze am Strom löste sich auf.

Die Rechnung nach 1815

Für die rheinischen Fabrikanten kam das böse Erwachen nach dem Frieden. Das Rheinland wurde preußisch und verlor den französischen Markt, gleichzeitig überschwemmten billige englische Baumwollwaren den Kontinent. Zusammen mit den Missernten des „Jahres ohne Sommer“ stürzte das viele Regionen 1816/17 in eine schwere Krise. Die Rübenzuckerfabriken gingen samt und sonders ein.

Und doch blieb viel. Die Franzosenzeit hinterließ Handelskammern, Gewerbegerichte, eine neue Unternehmerschicht und eine Industrie, die gelernt hatte, englische Maschinen nachzubauen. Das preußische Zollgesetz von 1818, Grundlage des späteren Deutschen Zollvereins, übernahm im Wesentlichen die napoleonischen Prinzipien eines einheitlichen Zollgebiets mit Schutz an der Außengrenze. Der Wirtschaftshistoriker Herbert Kisch kam zu dem Urteil, die französische Herrschaft habe sich auf lange Sicht als „wahrer Segen“ erwiesen.

Bewertung: Gescheitert und doch folgenreich

An ihrem eigentlichen Ziel ist die Kontinentalsperre gescheitert. Großbritannien geriet 1810/11 zwar in eine Absatz- und Finanzkrise, wurde aber nicht ernsthaft getroffen: Es fand neue Märkte in Lateinamerika und im Orient, und der Schmuggel hielt den Kontinent ohnehin offen. Stattdessen trieb die Sperre Napoleon in immer neue Kriege. Um sie durchzusetzen, besetzte er Portugal und Spanien, annektierte den Kirchenstaat, Holland und die Nordseeküste, und als Russland Ende 1810 ausscherte, marschierte er 1812 nach Moskau.

Ein französischer Historiker hat den inneren Widerspruch auf eine Formel gebracht: „Das französische Schutzzollsystem hat die Kontinentalsperre getötet“. Napoleon wollte keinen gemeinsamen europäischen Markt gegen England, sondern einen französischen Markt, dem die Verbündeten als Rohstofflieferanten und Absatzgebiete dienten. Am Rhein ließ sich das besonders gut beobachten: Das linke Ufer wurde bevorzugt, das bergische rechte Ufer wie Ausland behandelt, obwohl dort ein Napoleonide als Großherzog regierte.

Für das Rheinland war die Bilanz zwiespältig. Die Sperre brachte Mangel, teuren Kaffee und Zucker, Willkür der Zöllner und die als Frevel empfundenen Scheiterhaufen. Sie erzeugte aber auch ein Treibhausklima, in dem linksrheinische Industrien geschützt vor englischer Konkurrenz wachsen und modernisieren konnten. Viele der Unternehmen, Unternehmerfamilien und Institutionen, die das Rheinland im 19. Jahrhundert zur führenden Industrieregion Deutschlands machten, haben hier ihre Wurzeln.

Und sie hinterließ Spuren im Alltag, die bis heute reichen: den Muckefuck in der Küche, die Zuckerrübe auf den Feldern, die Erinnerung an Schmuggler und Zöllner an einem Strom, der fast zwei Jahrzehnte lang eine Grenze war. Wer heute in Bonn auf der Rheinpromenade steht und nach Beuel hinüberblickt, schaut auf eine der Frontlinien des ersten europäischen Wirtschaftskriegs.

Zeitleiste

DatumEreignis
31. Oktober 1796Frankreich verbietet englische Waren endgültig
Juli 1798Französische Zollgesetze im Linksrheinischen, der Rhein wird Zollgrenze
9. Februar 1801Frieden von Lunéville: Das linke Rheinufer wird französisch
5. Februar 1803Freilager für Köln und Mainz
1804Oktroi-Vertrag: einheitliche Rheinschifffahrtsabgabe statt alter Rheinzölle
21. Oktober 1805Trafalgar: Die französische Flotte wird vernichtet
Mai 1806Britische Blockade der Küste von Brest bis zur Elbe
Juni 1806Louis Bonaparte wird König von Holland
12. Juli 1806Gründung des Rheinbunds, Berg wird Großherzogtum
21. November 1806Berliner Dekret: Beginn der Kontinentalsperre
1807Orders in Council (Januar und 11. November); Embargo Act der USA
September 1807Die Briten besetzen Helgoland
November/Dezember 1807Mailänder Dekrete
Januar 1808Wesel wird französisch
1809Lizenzsystem; Zollordnung für Berg; Zolllinie Rees–Bremen; Krise der bergischen Textilindustrie
März 1810Südholland bis Rhein und Waal an Frankreich
1. und 9. Juli 1810Abdankung Louis Bonapartes, Annexion Hollands
5. August 1810Dekret von Trianon: hohe Zölle auf Kolonialwaren
18. Oktober 1810Dekret von Fontainebleau: Verbrennung englischer Waren
Herbst 1810Scheiterhaufen in Köln, Stolberg, Aachen und Frankfurt
Ende 1810Russland öffnet seine Häfen wieder für den Handel mit England
1811Annexion der Nordseeküste; Krupp gründet seine Gussstahlfabrik in Essen
März 1811Dekret zur Förderung des Rübenzuckers
2. Januar 1812Napoleon besucht Delesserts Zuckerfabrik in Passy
Juni 1812Großbritannien hebt die Orders in Council auf
Januar 1813Aufstand der „Knüppelrussen“ im Großherzogtum Berg
Oktober 1813Völkerschlacht bei Leipzig, Zusammenbruch der Sperre
Januar 1814Die Alliierten überschreiten den Rhein
1815Wiener Kongress gründet die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt
1816/17Wirtschaftskrise nach dem Einstrom englischer Waren
1818Preußisches Zollgesetz nach napoleonischem Vorbild

Quellen und weiterführende Literatur

Hinweis: Einige Angaben beruhen auf Standardwissen und konnten für diesen Artikel nicht einzeln an Quellen geprüft werden: die Rolle des Regierungskommissars Rudler bei der Einführung der Zollgesetze, das genaue Datum des Oktroi-Vertrags (die Literatur nennt 1804 und 1805), der Vorname des Kölner Bankiers Schaaffhausen, die Einzelheiten zu den Ersatzkaffees aus Gerste, Eicheln und Rüben, das genaue Datum des Rübenzucker-Dekrets (die Quellen nennen den 25. und den 29. März 1811), das „Jahr ohne Sommer“ als Mitursache der Krise 1816/17 und die Datierungen der Zeitleiste für Lunéville, Rheinbund und Russland. Ebenfalls nicht eigens geprüft: der Regierungsantritt Louis Bonapartes im Juni 1806, die Rolle Helgolands als Warenlager nach Frankfurt, Krupp als später größter Industriekonzern Deutschlands und die Zuschreibung der Studie von 1879 an Alfred Thun, die nur aus der Kopfzeile des Digitalisats erschlossen ist. Die Karte ist schematisch; die eingezeichneten Schmuggelwege fassen die im Text genannten Routen zusammen. Zum Schmuggel konkret in Bonn und Beuel lagen keine ausgewerteten Einzelfälle vor; der entsprechende Abschnitt beschreibt die allgemeine Lage an der Rheingrenze.

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