Aus Freunden werden Feinde

Russland wollte sich die Kontinentalsperre nicht länger unterstützen und hob sie teilweise auf. Gleichzeitig gönnte Napoleon Russland die Eroberung Finnlands und seine Erfolge im Türkenkrieg nicht und beleidigte Alexander durch die Annexion Oldenburgs, des Fürstentums seiner Verwandten.

Mit 450.000 Mann, der Großen Armee, überschritt er am 24. Juni 1812 den Niemen und drang in das Innere Russlands ein.

Da die Russen sich defensiv verhielten und nur Rückzugsgefechte lieferten, erreichte Napoleon bereits Mitte August Smolensk, wo er den Russen am 17. August eine siegreiche Schlacht lieferte. Aber die rasche Abnahme, ja Auflösung seiner Heeresmassen durch Entbehrungen, Krankheiten und Gefechtsverluste mussten ihn mit Besorgnis erfüllen. Dennoch riss ihn die Hoffnung, durch die Eroberung Moskaus Alexander zum Frieden zu bewegen, vorwärts, und nach dem blutigen Sieg bei Borodino an der Moskwa am 7. September zog er am 14. September in Moskau ein.
Moskau brennt

Nachdem sich die Russen aus Moskau zurückzogen und die ersten französischen Reiter unter Joachim Murat die Stadt erreichten, entstanden ab dem 2. September an mehreren Stellen von Moskau Brandherde.

Heute kann nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden, ob der Brand durch das russische Militär, russische Saboteure oder durch die Franzosen ausgelöst wurde. Aufgrund der vielen traditionellen Holzbauten, griff das Feuer rasch um sich.

Moskau verlor durch den Brand, der bis zum 6. September wütete, einen beträchtlichen Teil seiner Baudenkmäler, darunter die Universität, die Buturlin-Bibliothek, das Pjetrowski- und Arbat-Theater. Insgesamt fielen drei Viertel der Stadtbebauung den Flammen zum Opfer.

Der Brand der Stadt machte die Winterquartiere dort unmöglich, und nachdem Napoleon einen Monat vergeblich die Antwort auf seine Friedensanträge aus Petersburg erwartet hatte, trat er am 19. Oktober mit seinem erschöpften Heer von 100.000 Mann den Rückzug von Moskau an, der infolge des frühen Winters, des Mangels an Lebensmitteln und der energischen russischen Verfolgung mit dem Untergang der Großen Armee endete.

Doch auch im weit entfernten Paris drohte Napoleon weitere Gefahr. Während sich das russische Abenteuer langsam dem Ende zu wandte, sah General Claude-François de Malet den Moment gekommen um das napoleonische System zu stürzen.

Malet war ein überzeugter Republikaner und wurde bereits 1805 aufgrund seiner Einstellung vom Militärdienst beurlaubt. 1808 war er an einer Verschwörung beteiligt, die Napoleon zum Gesetzlosen erklären und wieder ein Direktorium einsetzen wollte. Die Verschwörung wurde rasch entdeckt und Malet daraufhin festgenommen. Statt in einem Gefängnis zu landen oder gar hingerichtet zu werden, wurde Malet in einer Nervenheilanstalt im Osten von Paris untergebracht.

Am Abend des 22. Oktobers 1812 flüchtete Malet aus der Anstalt. Zusammen mit seinen Verbündeten, mit denen er die vergangenen Jahre weitgehend ungestört in Kontakt blieb, begab er sich am Morgen des 23. Oktobers in die Kaserne von Popincourt und berichtete dem kommandierenden Offizier fälschlicherweise von Napoleons Tod. Um einen Senatsbeschluss umsetzen zu können, verlangte Malet Befehlsgewalt über die dort stationierten Soldaten, der ihm prompt gewährt wurde.

Danach befreite Malet die Generäle Guidal und de Lahorie aus dem Gefängnis La Force in Paris. Wenig später gelang es den Verschwörern das Polizeiministerium und die Polizeipräfektur unter ihrer Kontrolle bringen. Colonel Rabbe, der Kommandant des ersten Regiments der Kaiserlichen Garde, wurde ebenfalls erfolgreich vom Tod Napoleons überzeugt und begann die Stadttore von Paris zu besetzen. Damit war es Malet gelungen, innerhalb weniger Stunden und ohne großen Aufwand die höchsten Vertreter des Staatsapparats festzusetzen.

Erst bei dem Versuch den Kommandanten von Paris von der provisorischen Regierung zu überzeugen flog das Komplott auf. Malet wurde überwältigt und wenig später waren alle Verschwörer verhaftet. Am 27. Oktober wurden Malet, Rateau und Boutreux, die Generäle Guidal und Lahorie zum Tode verurteilt und zwei Tage später hingerichtet.

Die Auswirkungen der Maletverschwörung waren zwar gering und konnten außerhalb von Paris kaum festgestellt werden, doch viel dramatischer war Napoleons Erkenntnis, dass seine Dynastie auf wackligen Beinen stand. Zu keinem Zeitpunkt wurde ernsthaft erwogen seinen Sohn, den König von Rom Napoleon II., zu seinem Nachfolger zu erklären.

Übergang über die Beresina

Mit 40.000 Mann und wenig Geschützen erreichte Napoleon am 9. November Smolensk.

Nachdem Napoleon I. am 13. November Smolensk verlassen hatte, war das vordringlichste Ziel, den Fluss Beresina zu erreichen, bevor sich die russischen Generale Wittgenstein und Tschitschagow vereinigten.

Napoleon hatte bei Studjanka, nördlich von Borissow, durch General Eblé zwei Brücken schlagen lassen. Über die erste bewerkstelligte am Nachmittag des 26. November das 2. Armeekorps unter Oudinot seinen Übergang und drängte eine Abteilung Russen gegen Borissow zurück.

Dagegen wurde die zweite Brücke durch Brechen der Böcke mehrmals unbrauchbar. Der Übergang erfolgte dennoch schnell, da die französischen Truppen noch weitgehend geordnet marschierten.

Napoleon selbst ging mit der Garde am 27. mittags über den Fluss. Kurz darauf begann die Unordnung, und als gegen Abend die Artilleriebrücke zum drittenmal brach, entstand ein großes Gedränge.

Am Morgen des 28. November begannen die Russen von dem linken Ufer aus die Brücken mit Kanonen und Haubitzen zu beschießen und lösten Panik unter den Franzosen aus.

Victor behauptete sich zwar den ganzen Tag, konnte die Beschießung der Brücken jedoch nicht verhindern.

Gleichzeitig hatte Tschitschagow mit 26.000 Mann die Soldaten der Marschälle Oudinot und Ney auf dem rechten Ufer angegriffen, war aber zurückgewiesen worden. Victor ging nachts mit der Nachhut über den Fluss, nachdem ihm Eblés Pontoniere eine Art Laufgraben durch die an den Brücken aufgehäuften Leichname und zerbrochenen Wagen gemacht hatten.

Eine schwache Nachhut blieb noch bis zum Morgen auf dem linken Ufer. Hier lagen noch Verwundete, Kranke und Ermattete, die, als Eblé beim Nahen der Russen die Brücke anzünden ließ, in den Flammen oder in den Fluten umkamen.

Von 70.000 Franzosen kamen kaum 40.000 über die Beresina und von diesen starb ein großer Teil in den nächsten Tagen.

Die Kämpfe beim Übergang über die Beresina zwischen dem 25. und 28. November vollendeten die Auflösung des Heers, von dem nur 15.000 Mann Wilna erreichten. Von hier eilte Napoleon in einem Bauernschlitten über Warschau und Dresden nach Paris, wo er am 19. Dezember angelangt, sofort neue Aushebungen befahl und nur einen ehrenvollen und Frankreichs Größe angemessenen Frieden zu schließen erklärten.

Die Grafik von Charles Joseph Minard gehört nicht nur zu den frühesten, sondern auch zu den besten Infografiken aller Zeiten. Sie zeigt Position und Marschrichtung der Armee, die Abspaltung und Wiedervereinigung von Truppenteilen, die deutlich abnehmende Truppenstärke und die Temperaturen während des Rückzugs.